Was läuft automatisch — und was nicht?
Prozessautomatisierung
1.1 Einfache Erklärung
Ein Prozess ist eine wiederkehrende Folge von Arbeitsschritten, die zu einem bestimmten Ergebnis führt. Eine Kundenanfrage zu bearbeiten ist beispielsweise ein Prozess:
- Die Anfrage geht ein.
- Jemand liest sie.
- Die enthaltenen Angaben werden geprüft.
- Die Anfrage wird einer zuständigen Person zugeordnet.
- Fehlende Angaben werden nachgefragt.
- Eine Aufgabe oder ein Kundeneintrag wird angelegt.
- Später wird geprüft, ob der Vorgang erledigt wurde.
Prozessautomatisierung bedeutet, dass ein Teil dieser Schritte von Software ausgeführt wird. Die Software reagiert auf ein festgelegtes Startsignal, verarbeitet Informationen nach beschriebenen Regeln und erzeugt ein bestimmtes Ergebnis.
Automatisiert wird also nicht einfach „die Büroarbeit“, sondern ein klar begrenzter Ablauf.
1.2 Die sieben Bestandteile eines automatisierbaren Ablaufs
Fast jeder geeignete Ablauf lässt sich mit sieben Fragen beschreiben:
| Bestandteil | Einfache Frage | Beispiel |
|---|---|---|
| Startsignal | Wodurch beginnt der Ablauf? | Eine E-Mail geht ein. |
| Eingangsdaten | Welche Angaben liegen vor? | Name, Firma, Nachricht und Anhang |
| Arbeitsschritte | Was geschieht heute von Hand? | Lesen, zuordnen, übertragen |
| Entscheidungen | Wo muss zwischen mehreren Wegen gewählt werden? | Serviceanfrage oder Angebotsanfrage? |
| Ergebnis | Was soll am Ende entstanden sein? | Geordneter Vorgang mit Aufgabe |
| Ausnahme | Was geschieht bei einem Sonderfall? | Unlesbarer Anhang wird zur Prüfung vorgelegt. |
| Messwert | Woran erkennt man den Erfolg? | Zeit bis zur Zuordnung |
Fehlt einer dieser Punkte, ist der Ablauf meist noch nicht ausreichend verstanden. Dann sollte nicht sofort programmiert werden.
1.3 Verschiedene Stufen der Automatisierung
Automatisierung ist kein Alles-oder-nichts-Schalter. Es gibt mehrere sinnvolle Stufen:
Stufe 1: Unterstützung
Die Software sammelt Informationen, der Mensch führt die eigentliche Arbeit aus. Beispiel: Alle offenen Anfragen werden morgens in einer Übersicht angezeigt.
Stufe 2: Vorbereitung
Die Software erledigt Vorarbeiten. Beispiel: Kontaktdaten werden aus einer E-Mail ausgelesen und als Entwurf für einen Kundeneintrag vorbereitet.
Stufe 3: Ausführung mit Freigabe
Die Software bereitet das Ergebnis vollständig vor, darf es aber erst nach einer menschlichen Bestätigung verwenden. Beispiel: Eine Rückfrage wird formuliert, aber erst nach Prüfung versendet.
Stufe 4: Selbstständige Ausführung in engen Grenzen
Eindeutig geregelte und risikoarme Schritte werden ohne einzelne Freigabe ausgeführt. Beispiel: Ein freigegebener Dateianhang wird nach festen Regeln umbenannt und in einen Projektordner verschoben.
Stufe 5: Weitgehend selbstständiger Gesamtprozess
Nur Ausnahmen werden einem Menschen vorgelegt. Diese Stufe ist möglich, erfordert aber stabile Regeln, gute Daten, ausführliche Tests und geringe Folgen bei einem Fehler. Für neue Kundenprojekte ist sie normalerweise nicht der Einstieg.
1.4 Ein durchgehendes Beispiel
Ein kleiner Elektrobetrieb erhält Anfragen an eine gemeinsame E-Mail-Adresse. Heute liest eine Bürokraft jede Nachricht, kopiert die Kontaktdaten in eine Tabelle, legt einen Ordner an und informiert den zuständigen Mitarbeiter.
Eine Automatisierung könnte so arbeiten:
- Nur Nachrichten an die festgelegte Adresse werden verarbeitet.
- Absender, Betreff, Nachricht und Anlagen werden übernommen.
- Offensichtlicher Werbemüll wird aussortiert.
- Die Art der Anfrage wird bestimmt.
- Pflichtangaben wie Ort, gewünschte Leistung und Erreichbarkeit werden geprüft.
- Ein neuer Vorgang wird angelegt oder einem vorhandenen Vorgang zugeordnet.
- Eine zuständige Person erhält eine Aufgabe.
- Bei fehlenden Angaben wird eine Rückfrage vorbereitet.
- Jede Ausführung wird mit Ergebnis und Fehlerstatus protokolliert.
Wichtig ist: Nicht alle Schritte müssen künstliche Intelligenz verwenden. Das Speichern einer E-Mail-Adresse, das Setzen eines Fälligkeitsdatums oder die Prüfung eines Dateityps funktionieren zuverlässiger mit festen Regeln.
1.5 Welche Abläufe eignen sich?
Ein guter erster Ablauf:
- tritt mindestens mehrmals pro Woche auf,
- folgt überwiegend denselben Schritten,
- verwendet bereits digitale Daten,
- verursacht heute erkennbar Zeitaufwand oder Fehler,
- besitzt ein klar beschreibbares Ergebnis,
- hat eine verantwortliche Person,
- lässt sich bei einem Fehler vorübergehend wieder von Hand ausführen.
Schlecht geeignet sind zunächst Abläufe, die selten auftreten, ständig anders ablaufen, fast nur aus persönlicher Beurteilung bestehen oder bei denen ein einzelner Fehler schwere rechtliche, finanzielle oder gesundheitliche Folgen haben kann.
1.6 Der häufigste Denkfehler
Der häufigste Fehler ist, eine vorhandene Unordnung einfach schneller machen zu wollen. Wenn Verantwortlichkeiten unklar sind, Daten fehlen und jeder Mitarbeiter nach eigenen Regeln arbeitet, überträgt eine Automatisierung diese Probleme lediglich in Software.
Deshalb gilt:
Erst den Ablauf verstehen und vereinfachen, dann geeignete Schritte automatisieren.
Manchmal ist die beste Verbesserung keine neue Software, sondern ein einheitliches Formular, eine klare Zuständigkeit oder eine überflüssige Freigabe weniger.
1.7 Bedeutung für Konstellarum
Konstellarum verkauft keine allgemeine „Automatisierung“, sondern einen benannten Ablauf mit festem Anfang und Ende. Im Angebot sollte deshalb stehen:
- welcher Vorgang bearbeitet wird,
- welche Programme beteiligt sind,
- welche Schritte automatisch erfolgen,
- welche Entscheidungen beim Menschen bleiben,
- welche Sonderfälle ausdrücklich nicht enthalten sind,
- woran der Erfolg gemessen wird,
- wie der manuelle Ersatzweg aussieht.
Damit wird die Leistung für den Kunden verständlich, prüfbar und abnehmbar.
1.8 Kurze Prüfliste
Ein Ablauf ist ausreichend beschrieben, wenn folgende Fragen beantwortet sind:
- Was startet ihn?
- Welche Informationen werden benötigt?
- Welche Schritte sind immer gleich?
- Welche Ausnahmen kommen vor?
- Wer entscheidet bei Unklarheit?
- Was ist das gewünschte Ergebnis?
- Was passiert bei einem technischen Fehler?
- Welche Zahl zeigt später eine Verbesserung?